„Sie wollen noch über 2009 sprechen?“
Luftfracht Nach der Krise kam die Vulkanasche und jetzt die Politik. LOGISTIK HEUTE sprach mit Pierre Wesner von Cargolux über Steuern, Strategien und Stopps in Afrika.

Logistik Heute: Alles spricht in diesen Tagen von Afrika und Fußball. Nicht nur im Sport will der schwarze Kontinent punkten, sondern auch ökonomisch. Einige Unternehmen meiden den Kontinent. Ein Fehler?
Pierre Wesner: Der afrikanische Markt ist sicherlich kein Allheilmittel. Wir bedienen Süd-, West- und Ostafrika und transportieren unter anderem Blumen aus Kenia. Das Engagement kann zwar keinen Massenmarkt wie Asien auffangen, war aber 2009 neben Südamerika für uns eine wichtige Säule.
Wenn Sie das zurückliegende Jahr in einem Wort zusammenfassen müssten, wie würde es lauten?
(lacht) Sie wollen noch über 2009 sprechen?
Ja, ein Wort würde mir reichen ...
Ganz klar: Überkapazitäten und plötzli
cher Nachfrageausfall.
Gleich zwei Wörter. Überkapazitäten und plötzliche Nachfrageausfälle fordern schnelle Maßnahmen. Wie hat Cargolux reagiert?
Auf eine Krise in dieser Größenordnung und Geschwindigkeit kann man in unserem Geschäft nicht richtig reagieren, sondern nur Schadensbegrenzung betreiben. Wir haben Kapazitäten so schnell wie möglich auf andere Märkte verlagert, denn die Wirtschaftskrise betraf vor allem den asiatischen Frachtmarkt.
Auf dem weniger Flugzeuge gebraucht wurden, die Sie dann in der Wüste Nevadas geparkt haben…
Nein, wir haben keines unserer Flugzeuge stillgelegt und in der Wüste zwischengeparkt. Lediglich die durchschnittlichen Flugzeiten pro Tag sind gesunken.
Gehen diese in den nächsten Monaten wieder nach oben?
Forecasting is difficult, especially if it’s about the future, hat ein Kollege mal gesagt. Im Ernst: Die Nachfrage im Markt und vor allem in Asien ist wieder da und die Auftragszahlen weisen nach oben. Aber das Problem bleiben die niedrigen Frachtraten. Das Preisniveau erholt sich nur sehr langsam. Wir transportieren viel Fracht zu niedrigen Preisen. Ich hoffe, dass wir bis Ende 2010 keine neuen Probleme mehr im Markt bekommen.
Der Anbieterkreis auf dem Luftfrachtmarkt könnte in den nächsten Monaten durchaus schrumpfen. Über Air France KLM wird spekuliert, dass dort die Frachtsparte abgeschafft werden soll. Gut für Ihre Geschäfte?
Das ist immer schwierig zu bewerten. Die Logik, wenn ein Anbieter aufgibt, könnten die Konkurrenten profitieren, ist viel zu statisch. Sollte ein Unternehmen tatsächlich Kapazitäten vom Markt nehmen, dann stehen neue Wettbewerber bereit, diese schnell zu übernehmen. Zuwächse entstehen für uns oft nur dann, wenn Kunden nach der Ankündigung der Geschäftsaufgabe ihres Carriers „im Voraus“ einen neuen Partner suchen.
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